Fragetypen: Offen, Halboffen oder Geschlossen

Welche Fragetypen gibt es?

Es gibt drei verschiedene Arten von Fragen beim Design eines Fragebogens. Dies ist zum einen die geschlossene, zum anderen die offene, und zuletzt die halboffene Frage.

  • Geschlossen: Bei geschlossenen Fragen gibt es eine klar definierte und somit auch begrenzte Auswahl möglicher Antwortkategorien.
    • Beispiel: Wie stark interessieren Sie sich für Politik?
      • Sehr stark
      • Stark
      • Mittel
      • Wenig
      • Überhaupt nicht
    • Es kann also nur aus den fünf vorgegeben Kategorien eine Antwort ausgewählt werden.
  • Offen: Bei der offenen Frage gibt es keine vorgegebenen Antwortskategorien, stattdessen soll die befragte Person eine eigene Antwort in ein freies Feld eintippen.
    • Beispiel: Welche berufliche Tätigkeit üben Sie aus?
      • ____________________________________________
    • Der Befragte kann nun eine eigene Antwort auf der vorgedruckten Linie verfassen.
  • Halboffen: Die halboffene Frage ist ein Mittelweg zwischen den beiden obengenannten Typen. Dabei werden dem Befragten zwar Antwortmöglichkeiten vorgelegt, diese werden jedoch um eine weitere, leere Zeile (z.B Weitere: oder Sonstiges:) ergänzt, die wie eine offene Frage beantwortet werden kann.
    • Beispiel: Welchen Einkaufsladen besuchen Sie am häufigsten?
      • Coop
      • Migros
      • Aldi
      • Lidl
      • Andere: ____________________
    • Falls keine der obengenannten Kategorien der Antwort des Befragten entspricht, kann dieser auf der letzten Linie eine eigene Antwort verfassen.

Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Typen?

Generell ist die geschlossene Frage der meist verwendete Typ in standardisierten Befragungen. Die geschlossene Frage hat den Vorteil, dass sowohl die Datenaufnahme als auch die spätere Auswertung schnell und effizient ausgearbeitet werden können. Der Nachteil liegt darin, dass gewisse Befragte sich wohl in keiner der angebotenen Kategorien sehen und die Frage demnach entweder nicht beantworten (item non-response) – oder noch schlimmer “einfach irgendetwas” angeben (Falschangabe). Dazu kommt, dass die vorgegebenen Antwortkategorien den Befragten beeinflussen. Dies lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Nehmen wir folgende Frage als Ausgangsituation “Wie lange schauen Sie an einem normalen Werktag Fernsehen?”. Die Breite der Antwortkategorien haben nun einen Einfluss auf die gegebenen Antworten. Nehmen wir an: In Version 1 reichen die Ausprägungen beispielsweise von einer halben Stunde bis zu mehr als 2.5 Stunden, in Version 2 hingegen ist die niedrigste Ausprägung weniger als 2.5 Stunden und die höchste mehr als 5. Der Befragte, der sich als durchschnittlichen Fernsehschauer einschätzt wird in beiden Fällen eine der mittleren Ausprägungen wählen, obwohl deren Zahlen differenzieren. Aus diesem Grund sollte man bei der Ausarbeitung der Antwortskategorien sehr sorgfältig und bewusst vorgehen.

Die offene Frage hat zum Vorteil, dass die Information vom Befragten nicht in eine Kategorie gezwängt werden muss, sondern eins zu eins wiedergegeben werden kann. Die Gefahr dabei ist jedoch, dass die gegebene Information nicht diejenige ist, die der Interviewer mit der Frage einholen wollte. Aus diesem Grund muss die Frageformulierung bei offenen Fragen präzise und deutlich gestellt werden. Gleichzeitig helfen offene Fragen jedoch auch die Motivation der Teilnehmer zu steigern, da das Lese-Ankreuzschema gebrochen wird, und der Befragte von sich selbst erzählen kann.

Die halboffene Frage bietet sich immer dann besonders gut an, wenn das tatsächliche Universum möglicher Antworten auf eine Frage zwar abgeschätzt, jedoch nicht ausgeschöpft werden kann. Die Restkategorie kann demnach sehr unterschiedlich besetzt sein. Wichtig ist jedoch, dass dem Befragten eine Möglichkeit geboten wird, sich selbst in eine Kategorie zu setzen, da ansonsten die Motivation zur Teilnahme sinken würde.

Wann brauche ich welchen Typ?

Eine perfekte Regel, wann welcher Typ gebraucht werden soll, gibt es leider nicht. Dennoch kann folgende Vorgabe helfen:

Die Geschlossene Frage verwenden Sie, wenn das Universum der Antworten sicher bekannt ist und aus einer bestimmten und bestimmbaren Menge besteht, wenn die Anzahl der möglichen Antworten nicht zu gross ist, wenn die Frage sich mit einigermassen bekannten Sachverhalten beschäftigt, und wenn es schnell gehen soll.

Die offene Frage wird meist aus zwei Gründen verwendet: Einerseits dient sie natürlich zur Informationsgewinnung, zum Anderen zeigt sie aber auch einen stark motivierenden Effekt. Wenn die Frage zur Informationsgewinnung eingesetzt wird, sollten Sie folgendes beachten. Brauchen Sie die offene Frage wenn Sie von Ihrem Gegenstand noch nicht so viel wissen, wenn das Universum möglicher Antworten unbekannt oder riesig ist, wenn Sie vermeiden möchten, den Befragten in eine bestimmte Richtung zu lenken.

 

Quelle: Porst, Rolf (2008): Fragebogen – Ein Arbeitsbuch, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

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